• Was ist Mal- und Gestaltungstherapie?

    Was ist Mal- und Gestaltungstherapie?
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    Was ist Mal- und Gestaltungstherapie?Was ist Mal- und Gestaltungstherapie?

Was ist Mal- und Gestaltungstherapie?

„Das Anschauen und Verfertigen der inneren Bilder bedeutet das Lebendigmachen der Seele!“
C.G. Jung

Die Mal- und Gestaltungstherapie ist ein psychodynamisches Therapieverfahren in welchem bildnerische Gestaltungen einen zentralen Stellenwert einnehmen.

Seit der Entdeckung der Höhlenzeichnungen, welche bis zu 60.000 Jahre zurück liegen, wissen wir, dass Menschen ihre Erlebnisse in Bildern mitteilen.

In einem therapeutischen Kontext sind Bilder ein wichtiges Kommunikationsmittel. Bilder und Gestaltungen hinterlassen einen tieferen Eindruck als Worte. Sie sind der bildnerischen Ausdruck von Emotionen, Erfahrungen, Sehnsüchten und Visionen. Sie spiegeln sowohl Krisen und Belastungen als auch Ressourcen wieder und zeigen Möglichkeiten auf, wie man Symptome mindern oder beseitigen kann.

Unser Therapiesetting wird therapeutische Triade genannt. Diese besteht aus der/dem KlientIn, dem Werk und der/dem TherapeutIn. Hier werden die Bildsymbole entschlüsselt, da sie uns wichtige Hinweise  über biographische Erfahrungen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen, Einstellungen und Sichtweisen geben. Bildsymbole geben auch Hinweise über Veränderungsmöglichkeiten in Bezug zu den eigenen Sichtweisen, Einstellungen, Wünschen und Sehnsüchten.

Diese werden zunächst anhand von Bildern und Gestaltungen zum Ausdruck gebracht. In einem nächsten Schritt werden sie dann in das bewusste Alltagsleben integriert.

Mal- und GestaltungstherapeutInnen verfügen über ein reichhaltiges Angebot an Materialien (z.B. Farben, Stifte, Pinsel, Tonerde, Collagematerial) und ein breites methodisches Wissen. Hiermit können sie in den verschiedenen Therapieverlaufsphasen spezielle therapeutische Interventionen setzen.

In der Ausbildung setzen sich TeilnehmerInnen mit diesen Materialien und Methoden in eigenen Selbsterfahrungsprozessen auseinander. So lernen sie unmittelbar die Möglichkeiten und Wirkungen dieses Therapieverfahrens kennen.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die eigene Studioarbeit. Diese dient der Erweiterung von Materialkenntnissen und der Vertiefung der kreativen Ausdrucksfähigkeit. Studioarbeit hilft, sich von den Belastungen des therapeutischen Alltages zu erholen und sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Sie ist somit auch eine Form der schöpferischen Seelenhygiene.

Die Mal- und Gestaltungstherapie versteht sich als eine Methode, die auf verschiedene tiefenpsychologische und systemische Ansätze zurückgreift. Einzelne VertreterInnen verschiedener Therapieschulen setzten sich mit den Wirksamkeiten des kreativen Ausdruckes auseinander. In unserer Traditionslinie stehen deshalb  einzelne Persönlichkeiten anstatt einer spezifischen therapeutischen Schule. Wir sehen die Mal- und Gestaltungstherapie als integratives Verfahren, in dessen Zentrum  die Einzigartigkeit der Bild- und Gestaltungsarbeit steht.

Margaret Naumburg (*1890) und Elisabeth Tomalin (*1912) waren PionierInnen, welche uns inspiriert haben. Sie schöpften aus dem Fundus der Reformpädagogik und Tiefenpsychologie und plädierten für die Gründung eigener psychotherapeutischer Schulen.

Innerhalb der analytischen Tiefenpsychologie waren es neben C.G.Jung (*1875) auch Jolande Jacobi (*1890 ) und Ingrid Riedel (geb.1935), welche uns wichtige theoretische und praktische Hintergründe gegeben haben.

Prof. Dr. Gisela Schmeer (*1927) und Univ. Doz. Dr. Maria Steinbauer (*1946), sowie Karin Dreier (*1959) haben die tiefenpsychologische Dimension um systemische Sichtweisen erweitert. Alle sind auch Mitarbeiterinnen an unserem Institut und unterstützen uns in der konzeptionellen Weiterentwicklung.

Der Aktionskünstler Joseph Beuys (*1921) gab mit seiner Definition eines „erweiterten Kunstbegriffes“ und der Konzeption der „Sozialen Plastik“ wichtige gesellschaftliche Impulse. Mal- und Gestaltungstherapeutinnen können sich durch dieses Beispiel aktiv an kreativen neuen sozialen Gestaltungen und Herausforderungen beteiligen.

Mit den neuen Erkenntnissen der Hirnforschung haben uns Prof. Dr. Gerald Hüther (*1951) und Prof. Dr. Verena Kast (*1943) inspiriert.

Damit ist das therapeutische Konzept und Menschenbild der Mal- und Gestaltungstherapie eine sich therapeutisch-wissenschaftlich entwickelnde Methode, die sich über die Anfänge der Bildarbeit bis hin zur modernen Wissenschaft, Therapie- und Kreativitätsforschung erstreckt.