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25 Jahre Mal- und Gestaltungstherapie in Österreich

In dem Jahr 1989, beendete Erwin Bakowsky seine Ausbildung für Mal- und Gestaltungstherapie in der Schweiz. Er, Sozialarbeiter in Köln beheimatet, wurde von seiner Ausbildnerin Eva Brenner angeregt die Mal- und Gestaltungstherapie nach Österreich zu bringen. Gefragt – Getan!

“Kunst war immer am besten wenn sie einer sozialen Funktion diente.“
(Edith Kramer)

1990 gründete Erwin Bakowsky dann das Seminarinstitut für Mal- und Gestaltungstherapie in Wien.
Der theoretische Hintergrund der Mal- und Gestaltungstherapie war am Anfang ein tiefenpsychologisch-psychodynamischer Ansatz mit Schwerpunkt auf die Psychologie nach C.G.Jung.
Die Teilnehmerinnen für die MGT Ausbildung kommen vorrangig aus psychosozialen, pädagogischen und klinischen Berufsfeldern.
KünstlerInnen fühlen sich weniger angesprochen, da künstlerisches Schaffen nicht im Zentrum der Ausbildung steht. Die ästhetische Bewertung der Werke im Sinne des Schaffens von Kunst wird hierbei grundsätzlich nicht fokussiert. Die TeilnehmerInnen müssen keinerlei künstlerische Begabung haben, jedoch die Bereitschaft und Stabilität ihren inneren Bildern und Gefühlen einen kreativen Ausdruck zu verleihen.

Zudem fehlen Künstlerinnen zumeist die theoretischen Voraussetzungen für das Verständnis von psychodynamischen Theorien und Prozesse, da diese nicht Bestandteil ihrer Grundausbildung sind.

Im Kreativtraining, der zweijährigen Grundstufe der Ausbildung, werden die „Bildinformationen“ in einem Reflektionsgespräch in Bezug zu aktuellen Entwicklungsthemen gesetzt. Ziel ist die Förderung des kreativen Ausdruckes als eine der größten menschlichen Ressourcen, die Bewusstwerdung von Unbewusstem durch die Symbolebene der Gestaltungen und die Auflösung und Verwandlung von Blockaden im Denken und Handeln.
In der Mal- und Gestaltungstherapie arbeiten wir mit Menschen, die psychisch oder physisch erkrankt sind, oder in aktuellen herausfordernden Lebenssituationen Unterstützung brauchen. Die Methode wirkt über die bildnerische Gestaltung und das anschließende Reflektionsgespräch auf die Psyche ein. Innere Bilder werden damit externalisiert, weiter bearbeitet und das neue Bild wird internalisiert. Dadurch wirken neue Informationen im Inneren, seelische Blockaden können aufgelöst und erweiterte psychische Energie freigesetzt werden. Durch diesen bildnerischen Individuationsweg können wir uns Schritt für Schritt zu gesünderen, kompetenten und kreativen GestalterInnen der individuellen Lebenswege hinentwickeln. Lebenshaltungen und Einstellungen wandeln sich so, dass sie uns und allen Sinn geben.

Die Zeit des neuen Fensters der Mal- und Gestaltungstherapie und Kunsttherapie war auch in Wien und in Österreich zu der Zeit aufgegangen.

1995 wurden die ersten eigenen Institutsräume in der Porzellangasse im 9. Wiener Bezirk bezogen. Hier ist heute der Sitz der Wiener Schule für Kunsttherapie.
Das Curriculum wurde um ein drittes Ausbildungsjahr erweitert. (Grundstufe Kreativtraining 2 Jahre, Aufbaustufe Mal- und Gestaltungstherapie 1 Jahr).
Es erfolgte eine intensivere Verschränkung zwischen den Ausbildungsinhalten und den praktischen Anwendungsmöglichkeiten durch die Einführung von Peergroups und supervidierten Projektarbeiten. Diese Erweiterung war der Startschuss für mittlerweile über 400 mal- und gestaltungstherapeutische Projekte in Institutionen, die in Abschlussarbeiten beschrieben, protokolliert und herausgegeben sind.
In den Diplomarbeiten spiegeln sich auch die Veränderungen des psychodynamischen Menschenbildes innerhalb der MGT wieder. Basis sind die Erkenntnissen der analytischen Psychologie nach  C.G. Jung, welche von Jolande Jacobi und Ingrid Riedel für die Maltherapie adaptiert wurden.
Erweiterungen für die MGT, folgten im Laufe der Jahre durch die Erfahrungen und Publikationen von Mitarbeiterinnen des MGT Instituts sowie KollegInnen aus dem In-und Ausland.

Hierdurch veränderte sich auch das Rollenverständnis der Mal- und Gestaltungstherapeutinnen. Moderne MGT Therapeutinnen interpretieren keine Bilder und Symbole, sondern stellen offene Fragen, welche sich an den Bildinformationen, dem Gestaltungsprozess  sowie den aktuellen biographischen Themen orientieren. Hierzu bedarf es einer permanenten Schulung des „Blicks“, welcher dadurch gefördert wird, dass die Therapeutinnen regelmäßig eigene Studioarbeit mit bildnerischen Medien machen.
Die offenen Fragen implizieren, dass die „Antworten“ von den Klienten gefunden werden müssen.
Gleichzeitig halten sie die Spannung des kreativen-schöpferischen Prozesses aufrecht, bis es zu einer „Lösung“ bzw. psychodynamischen Wandlung kommt.

Die Gruppe wurde im Laufe der Jahre viel stärker in den therapeutischen Prozess mit einbezogen. Hierzu werden spezielle Techniken wie beispielsweise die Ressonanzbildmethode nach Gisela Schmeer, oder die kommentierende Bildbetrachtung nach Maria Steinbauer, mit einbezogen. Diese Techniken wurden aus der Systemischen Therapie abgeleitet.
Symbole werden auf den aktuellen Prozess im Hier und Jetzt betrachtet und tiefenpsychologische Symbolkonzepte werden ergänzend miteinbezogen. Die TherapeutInnen benötigen deshalb kein umfangreiches Symbolwissen sondern beziehen sich auf die aktuellen Bildinformationen.
Durch dieses  gemeinsame Erfragen und Ergründen von Bildinformationen und deren  Bezugstellen in aktuelle biographische Themen mittels Assoziationen, Erfahrungen, Erleben, Glaubenssätzen und Körperinformationen der  Gestalterinnen,  wird die Bewusstwerdung von verdrängten Anteilen gefördert. Dr.Ute Karin Höllrigl, Lehrtherapeutin am C.G.Jung Institut in Zürich führte die Traumarbeit mit Bildern nach C.G.Jung in den MGT-Lehrplan ein und begleitet MGT-Seminaristinnen in der Einzellehrtherapie und der Ausbildungssupervision.

1997: Erweiterung und Umzug des Instituts in den 18. Wiener Gemeindebezirk in die Plenergasse.

Beginn der Mitarbeit von Karin Dreier, die als Systemische Psychotherapeutin und Mal- und Gestaltungstherapeutin systemische Theorie, neue Sichtweisen und Methoden in  die Mal- und Gestaltungstherapie  in der Ausbildung eingebracht hat.
Ab diesem Zeitpunkt wird MGT zu einem integrativen Therapieverfahren, welches die Erfahrungen und Erkenntnisse verschiedener psychotherapeutischer Schulen für die Bildbesprechungen benutzt.

Mitbegründung des ÖFKG (Österreichischer Fachverband für Kunst- und GestaltungstherapeutInnen), der dann später zum Dachverband für künstlerische Therapien erweitert wurde. Beide Verbände sollten die Vernetzung von Kunst-, und Mal- und Gestaltungstherapeutinnen unterstützen. Dies betraf sowohl die Öffentlichkeitsarbeit, als auch das Berufsbild. Durch diese Vernetzung wurden Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede der verschiedenen kunst- und gestaltungstherapeutischen Ansätze sichtbar.

Letztendlich überwogen die Unterschiede, da alle beteiligten Ausbildungsinstitute eigene Theoriebildungen und Methoden herausgearbeitet hatten.
Aus der Frage heraus, ob Kunsttherapie eine eigene Profession ist, oder ob es sich um ein spezielles psychotherapeutisches Verfahren handelt, kam es dann nach einigen Jahren zur Auflösung des Dachverbandes. Die Mal- und Gestaltungstherapie verstand sich immer als psychotherapeutisches Verfahren, dessen Charakteristik die Arbeit mit bildnerischen Medien ist. Psychotherapie basiert auf kommunikativen Austauschprozessen. Die Charakteristik der MGT ist die Kommunikation mittels verbaler Sprachen und symbolhaften Bildgestaltungen.

MGT sieht sich somit in einer speziellen Traditionslinie. Diese zeichnet sich durch einzelne Persönlichkeiten und nicht durch eine spezifische therapeutische Schule aus.. Wir sehen die Mal- und Gestaltungstherapie als integratives Verfahren, in dessen Zentrum  die Einzigartigkeit der Bild- und Gestaltungsarbeit steht.

Ein kurzer Überblick über unsere Traditionslinie:

Margaret Naumburg (*1890) und Elisabeth Tomalin 1912 ) waren PionierInnen welche erstmalig in der Psychotherapie mit Bildgestaltungen praktiziert haben. Sie schöpften aus dem Fundus der Reformpädagogik und Tiefenpsychologie und plädierten für die Gründung eigener psychotherapeutischer Schulen. Sie distanzierten sich jedoch von Ansätzen welche Kunst & Therapie miteinander verbinden wollten. Edith Kramer (*1916) ist Vertreterin dieses Ansatzes.

Innerhalb der analytischen Tiefenpsychologie waren es neben C.G.Jung (*1875) auch Jolande Jacobi (*1890) ) und Ingrid Riedel (*1935), welche uns wichtige theoretische und praktische Impulse gegeben haben.

Prof. Dr. Gisela Schmeer (*1927) und Univ. Doz. Dr. Maria Steinbauer (*1946) haben die tiefenpsychologische Dimension um systemische Sichtweisen erweitert. Beide sind auch Mitarbeiterinnen an unserem Institut und unterstützen uns in der konzeptionellen Weiterentwicklung. Institutsintern hat Karin Dreier (*1959) die systemische Theorie und Interventionen mit der Bildarbeit der Mal- und Gestaltungstherapie verbunden. (Systemische Kunsttherapie, Systemisch-Kunsttherapeutische Supervisionsfortbildung)

Der Aktionskünstler Joseph Beuys *1921) gab mit seiner Definition eines „erweiterten Kunstbegriffes“ und der Konzeption der „Sozialen Plastik“, wichtige Impulse, wie sich Mal- und Gestaltungstherapeutinnen aktiv an der kreativen Mitgestaltung von gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen beteiligen können.

Ausgangspunkt war sein legendär gewordenen Satz: „Hiermit trete ich aus der Kunst aus!“

Mit den neuen Erkenntnissen der Hirnforschung haben uns Prof. Dr. Gerald Hüther (*1951) und Prof. Dr. Verena Kast (*1943) inspiriert.

Das therapeutische Konzept und Menschenbild der Mal- und Gestaltungstherapie erlangt zunehmend mehr Eigenständigkeit und unterscheidet sich von den bisher in Österreich etablierten psychotherapeutischen Schulen.

2002 Gründung des Fachverbandes für Mal- und Gestaltungstherapie (FMGT)

Im Jahre 2002 wurde von unseren AbsolventInnen und MitarbeiterInnen gemeinsam mit Erwin Bakowsky der Fachverband für Mal-und Gestaltungstherapie FMGT gegründet. Dieser versteht sich als berufspolitische Vertretung der Mal-und Gestaltungstherapeutinnen und macht es sich zur Aufgabe, die Mal-und Gestaltungstherapie in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Es werden mehrere Arbeitskreise gegründet, welche fachspezifische Themen behandeln.

2005 wird das MGT Institut wird vom Einzelunternehmen in eine GmbH umgewandelt. GesellschafterInnen sind Karin Dreier und Erwin Bakowsky. Der offizielle Firmenname ist Erwin Bakowsky GmbH

2008 Einführung der Fortbildung Systemisch-Kunsttherapeutische Supervision nach LSB Richtlinien durch Karin Dreier.
Die erste, der nunmehr jährlich stattfindenden Fachtagungen des FMGT findet im Kolpinghaus in 1180 Wien statt.

2009 Mit der Auflösung des kunsttherapeutischen Dachverbandes beschließen die Mitglieder, dass die Mal- und Gestaltungstherapie auch ein psychotherapeutischer Beruf werden soll.

Dies stellt eine Erweiterung der Berufsausübungsmöglichkeiten für Mal- und Gestaltungstherapeutinnen dar. Neben der Möglichkeit als Lebens- und SozialberaterIn/ Psychologische BeraterIn zu arbeiten, hatte Erwin Bakowsky zwischenzeitlich beim Obersten Gerichtshof erwirkt, dass Mal- und Gestaltungstherapie als therapeutischer Hilfsberuf anzusehen ist. Solange es hierfür keine andere gesetzliche Regelungen gibt, dürfen Mal- und Gestaltungstherapeutinnen in einem klinischen Setting arbeiten. Voraussetzung hierfür ist, dass ein ÄrztIn oder PsychotherapeutIn, welche/r die eigentliche Behandlung durchführt, eine zusätzliche mal- und gestaltungstherapeutische Behandlung für notwendig befindet, die unter „ihrer/seiner Aufsicht“ stattfindet.
Die Anerkennung von MGT als psychotherapeutische Methode würde bewirken, dass Absolventinnen der MGT Psychotherapieausbildung auch selbstständig in eigener Praxis  psychische Krankenbehandlungen durchführen könnten.  Das Verfahren hierzu ist in Bearbeitung.

Herausgabe der Fachzeitung *gestaltungsprozesse, welche ab nun 2x jährlich erscheint. http://f-mgt.at/gestaltungsprozesse

http://f-mgt.at/gestaltungsprozesseGleichzeitig werden vom FMGT jährlich internationale Fachtagungen durchgeführt.

2010: Erwin Bakowsky und Sabine Riesenhuber beschäftigten sich verstärkt mit prozessorientierten Ansätzen. Sabine Riesenhuber stellt internationale Kontakte her und organisiert erste Fortbildungen mit prozessorientierten Lehrtherapeuten. In Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Psychologen und Therapeuten Gary Reiss werden Methoden entwickelt, die MGT mit den prozessorientierten Arbeitstechniken verbindet. Beispielsweise wird der Körper in die Gestaltungsarbeit integriert, indem Haltungen und Bewegungen von Bildfiguren nachgestellt, oder nachgespielt werden, um einen Bezug zu den unbewussten Dynamiken der Gestalterin herzustellen. Diese Form der Arbeit wurde in den Büchern und Schriften von Amy Mindell und Ruth Weyertstrass dokumentiert.

2013: Karin Dreier und Erwin Bakowsky werden gemeinsame Geschäftsführer der GmbH.
Gründung der MGT Fortbildungs-Akademie für AbsolventInnen von MGT und anderen Kunsttherapeutischen Schulen, sowie dem externen Fachpublikum. Neben einer kunsttherapeutischen Supervisionsausbildung mit LSB Zertifizierung, wurde eine systemisch-kunsttherapeutische Aufbaustufe für den klinischen Bereich konzipiert, sowie eine pädagogische Reihe in Verbindung mit MGT-Methoden.

2015: 25 Jahre Jubiläum MGT-Österreich.

Das MGT Institut bildet seit 25 Jahren KreativtrainerInnen sowie Mal- und GestaltungstherapeutInnen aus.
Mal- und Gestaltungstherapie ist längst zu einer eigenen therapeutischen Methode geworden. Sie hat tiefenpsychologische, systemische und prozessorientierte Ansätze zu einem eigenständigen integrativen Ansatz verwandelt, in welchem die bildnerische Gestaltung im Mittelpunkt steht.
Dies spiegelt sich auch in der aktuellen Theorieentwicklung wieder, welche in den zahlreichen Diplomarbeiten und Fachartikeln dokumentiert werden.
Im Grunde genommen spiegelt die Entwicklung der Mal- und Gestaltungstherapie die Entwicklung der modernen Psychotherapieforschung und den neurobiologischen Erkenntnisse wieder.
Moderne Therapieansätze werden methodisch  zunehmend integrativer. Moderne Therapeutinnen sind bereit über den Tellerrand der eigenen Schule zu schauen, und von KollegInnen anderer Schulen zu lernen.

Trotzdem bleibt jede Therapieschule von den anderen gut unterscheidbar, da sie charakteristische Schwerpunkte hat.

Mal- und GestaltungstherapeutInnen brauchen keine ästhetisch schönen Werke wie KünstlerInnen anzufertigen. Aber sie sollten regelmäßig eigene Studioarbeit machen, in welcher sie ihren inneren Bildern und Emotionen über das Material Ausdruck verleihen.
In der MGT steht hat der Gestaltungsprozess eine zentrale Bedeutung. Dies betrifft sowohl die Ausdrucksmöglichkeiten (Kommunikation) als auch die Interventionstechniken. Im Gegensatz zu mach anderen kunsttherapeutischen Schule brauchen Mal- und Gestaltungstherapeutinnen weder Künstlerinnen sein, noch wird die Kunst als Möglichkeit der Heilung oder Linderung von Leidenszuständen angesehen.
Wie so oft kommt es auf die feinen Unterschiede an, welche letztendlich ein eigenes Therapieverfahren ausmachen und zur eigenen beruflichen Identität führen.

Mal-und GestaltungstherapeutInnen betonen den schöpferischen Trieb des Menschen. Der Wunsch sich über bildnerische Medien auszudrücken ist aus unserer Sicht eine natürliche Veranlagung des Menschen, nicht nur ein Abwehrmechanismus zur Unterdrückung von Sexual- und Aggressionstrieben. Das Eine schließt jedoch das andere nicht aus. Unsere Betonung liegt jedoch auf dem Bedürfnis eines jeden Menschen,  sich stetig weiter zu entwickeln und mit der Umwelt zu kommunizieren. Hierzu werden seit frühster Kindheit das  Spiel (Schiller) und kreativen Ausdruckes genutzt. Der schöpferische Trieb aus unserer Sicht vorrangig der Ausdruck eines gesunden und gesundmachenden inneren Impulses. Hier geht es nicht vorrangig um Kunstschaffen oder Sublimierung, sondern vor allem um Ausdruck und Experimentieren, im Sinne der Entfaltung von Potentialen, die für das psychische Wachstum von elementarer Bedeutung sind.